07.03.2018 | By Mikko Lehtinen

Die Sanitärbranche befindet sich im Wandel. Das „Internet of Things“ erweitert Komponenten in Wasseranlagen um intelligente Funktionen, während energieeffiziente Lösungen hohe Popularität genießen. Grohe gilt als wegweisendes Unternehmen im Bereich Sanitärarmaturen und betrachtet diese Entwicklungen als willkommen und lange überfällig. Der Konzern operiert in mehr als 160 Ländern und beschäftigt weltweit über 6000 Mitarbeiter. Grohe ist der weltweit größte Hersteller von Sanitärarmaturen und Europas zweitgrößter Hersteller von Badausstattung.

Der Trend geht zu intelligenten Wassersystemen

1956 brachte Grohe die ersten Thermostatbatterien auf den Markt – ein Meilenstein für die Branche, mit dem das Unternehmen Pionierarbeit leistete. Insgesamt gesehen haben sich die technischen Grundlagen seit damals jedoch kaum verändert. Wir nahmen die Gelegenheit wahr, die Lage der Branche mit Grohes Geschäftsführer für Finnland, Tero Kemppainen, sowie dem Key Account Manager Jani Hyvärinen zu diskutieren.

„Während der Rest der Branche kontinuierliche Fortschritte verzeichnet, hinken wir im Bereich Sanitärarmaturen erstaunlicherweise zehn Jahre hinterher. Gleichzeitig weiß jeder, dass Warmwasser maßgeblich den Energieverbrauch in Wohngebäuden bestimmt“, so Tero Kemppainen.

„Eine Sanitärarmatur kann heutzutage viel mehr leisten als ein Chrombauteil, das lediglich für die Wasserzufuhr sorgt. Wir bei Grohe profitieren von führenden internationalen Produktentwicklungsteams, die es uns ermöglichen, kontinuierlich technologische Neuerungen und innovative Produkte auf den Markt zu bringen. Aktuell besteht rund 75 Prozent unseres Angebots aus Produkten, die seit weniger als drei Jahren erhältlich sind. Neben klassischen Lösungen umfasst unsere Auswahl auch eine Vielzahl vollkommen einzigartiger neuer Produkte, die wir der Konkurrenz voraus haben“, fügt Jani Hyvärinen hinzu.

„So haben wir beispielsweise letztes Jahr auf der Branchenmesse ISH in Frankfurt die intelligente Wassersteuerung Sense Guard vorgestellt, die über WLAN mit der mobilen Grohe-App verbunden werden kann. Sense Guard erkennt Mikroleckagen im System und kann im Fall eines Rohrbruchs das Wasser abschalten. Zudem können Sie mit der App den Wasserverbrauch und die Durchflussmenge aus der Ferne überwachen“, fährt Hyvärinen fort.

„Aktuell gibt es viele gesellschaftliche Bereiche, in denen sich intelligente Systeme für den Heimbereich als hilfreich erweisen könnten. Ein Beispiel wäre die Altenpflege. Unsere Duschtoiletten der Marke Sensia Arena sind etwa mit intelligenten hygienischen Duscharmen ausgestattet, die sich bequem per Fernbedienung steuern lassen. Sie verschaffen älteren Menschen ein Stück Unabhängigkeit, wo ansonsten unter Umständen Hilfe angebracht wäre. Solche Lösungen gibt es bereits heute. Unsere Innovationen bringen auch mehr Luxus in das Zuhause unserer Kunden, etwa in Form von Grohes Küchenarmatur Blue Home, die Leitungswasser auf Anwenderwunsch automatisch mit Kohlensäure versetzt“, erläutert Kemppainen.

Die Entscheidungen von Rohrplanern beeinflussen die Entwicklung der Branche  

Je nach Projekt und Gebäudetyp sind stets verschiedene Parteien an der Installation von Sanitärarmaturen und Wasseranlagen beteiligt. Damit auch neue Produkte und Innovationen bei der Installationsplanung Berücksichtigung finden, müssen Innenausstattern und TGA-Planern detaillierte Daten zu technischen Produkteigenschaften verfügbar gemacht werden.

­ „Stellen wir uns ein Projekt vor, bei dem der Innenausstatter Sanitärarmaturen eines bestimmten Herstellers ausgewählt hat. Das für die Planung der Rohrsysteme verantwortliche Ingenieurbüro ist jedoch mit den Armaturen eines anderes Herstellers vertrauter und weiß aus Erfahrung, was bei der Installation dieser Konkurrenzprodukte zu beachten ist. Ein weniger vertrautes Produkt scheint auf den ersten Blick mit mehr Risiken verbunden. Eine solche Situation hat häufig einen Dialog zwischen dem Innenausstatter und dem TGA-Planer zur Folge, was – je nach unmittelbar verfügbaren Produktinformationen – dazu führen kann, dass der altbekannte Armaturenausstatter ausgewählt wird, um das vermeintliche Risiko zu umgehen. Bisher gemachte Erfahrungen und gewohnte Arbeitsweisen wirken sich auf menschliche Entscheidungen aus. Die Bereitschaft ist geringer, sich auf Produkte einzulassen, die weniger bekannt sind“, erläutert Jani Hyvärinen.
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„Damit die Produkte eines Herstellers für ein Projekt spezifiziert werden, müssen dem Architekten oder Innenausstatter zunächst genügend Informationen zu den Produkten und ihren Eigenschaften vorliegen. Beim Bau großer Wohnhäuser wählt in der Regel nicht der Architekt, sondern der Innenausstatter oder Rohrplaner die Armaturen aus. Sie sind die zentralen Entscheider im Hinblick auf die Vielzahl an Armaturen, die für diese Projekte erforderlich ist“, so Tero Kemppainen.
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„Fachplaner arbeiten heutzutage in der Regel mit BIM-Software. Deshalb ist es nur logisch, dass wir sie mit technischen Informationen ausstatten müssen. Dies geschieht in Form von 3D-Produktmodellen oder BIM-Objekten, die im Detail anhand unserer Produkte modelliert wurden. Diese unterstützen den Planer bei der täglichen Arbeit und beinhalten Produktmaße und detaillierte technische Daten für Engineering-Berechnungen. Man könnte sagen, dass die Verfügbarkeit unserer Produkte als BIM-Objekte den Weg für eine engere Zusammenarbeit mit Rohrplanern ebnet“, so Jani Hyvärinen.

BIM-Objekte gestalten den Informationsfluss von Projekten effizienter

Die Produktmodellierung nimmt seit Jahren eine wichtige Rolle in der Strategie von Grohe ein. Bereits 2007 modellierte Progman den ersten Produktsatz des Herstellers für die TGA-Planungssoftware MagiCAD.

­ „Der erste Satz unserer Produkte wurde für MagiCAD modelliert, um sicherzustellen, dass die Auswahl die am häufigsten benötigten Produkte für große Wohnhausprojekte beinhalten würde. Grohes Angebot an modellierten Produkten wurde seitdem ausgeweitet. Heute können Gebäudeplaner unsere Produkte samt Abmessungen und technischen Daten auch online mithilfe von Progmans kostenfrei zugänglicher BIM-Objektbibliothek MagiCloud abrufen. Heute weisen uns Rohrplanungsunternehmen relativ häufig auf ihren Bedarf an neuen modellierten Produkten hin“, erläutert Tero Kemppainen.
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„Wir möchten unsere neuen Produkte so schnell wie möglich als modellierte BIM-Objekte bereitstellen. Denn wie wir festgestellt haben, ist die Nachfrage an Produkten quasi durch die Decke gegangen, nachdem sie in MagiCAD und MagiCloud modelliert wurden“, so Jani Hyvärinen.
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„Es ist wichtig, dass der Informationsfluss in Projekten zwischen den Parteien so effizient wie möglich gestaltet wird. BIM-Objekte machen das möglich. Von allen am Bauprojekt beteiligten Parteien hat der Planer den geringsten Bezug zu unseren physischen Produkten. Gleichzeitig ist er aber derjenige, der hauptverantwortlich dafür ist, dass Wassersysteme auch tatsächlich funktionieren. Wenn das System auf dem Bildschirm des Planers nicht funktioniert, funktioniert es auch in der Praxis selten. Deshalb möchten wir den Bedürfnissen von Rohrplanern Gehör schenken und ihre Anforderungen an unsere Produkte bestmöglich erfüllen. Wir möchten den Planern ein guter Partner sein“, schließt Kemppainen.

2017 wurde Grohe im Ranking „Change the World“ des renommierten US-Wirtschaftsmagazins Fortune an 34. Position geführt. Grohe war weltweit als einziges Unternehmen der Gebäudetechnik in der Liste vertreten. Beurteilt wurde unter anderem, welche Antworten ein Unternehmen auf gesellschaftliche Fragen liefert, wie rentabel es arbeitet und welchen Innovationsgrad es gegenüber Mitbewerbern aufweist.