06.02.2020 | By Tamara From

Vor kurzem sprachen wir mit Arto Kiviniemi, Honorary Research Senior Fellow an der Universität Liverpool, über den aktuellen Stand und die Zukunft der BIM-Einführung in Europa. Im Folgenden finden Sie einen Auszug aus unserem Interview.

Das vollständige Interview finden Sie in kürze in unserem White Paper: Einführung von BIM in Europa: Aktueller Stand, Herausforderungen und eine Vision von morgen.

Die Länder befinden sich derzeit in sehr unterschiedlichen Stadien der BIM-Einführung. Was sehen Sie als nächsten Schritt bei der Umsetzung von BIM?

Ich sehe in naher Zukunft drei Ebenen der verstärkten Einführung von BIM.

  1. Die geografische Expansion wird hauptsächlich von Regierungs- oder anderen offiziellen Mandaten geleitet. Dies ist oft der erste Schritt und der findet derzeit auf der ganzen Welt statt. Das BIM-Mandat von Großbritannien war der Haupttreiber hierfür. Dies führte beispielsweise zur Gründung der EU-BIM-Arbeitsgruppe und daher war die Entwicklung der BIM-Anforderungen in Europa am stärksten, aber das ist auch ein globales Phänomen.
  2. Geschäftsorientierte Einführung, die hauptsächlich von großen globalen Bauunternehmen vorangetrieben wird, die die Vorteile der BIM-Integration in ihren Projekten erkannt haben und möchten, dass ihre Lieferanten auch mit der Einführung loslegen. Dies ist bereits in vielen Unternehmen die Realität und wird nun auf kleinere und lokalere Unternehmen ausgeweitet. Meiner Meinung nach wird sich dies zum Haupttreiber entwickeln, da auf langer Sicht der geschäftliche Nutzen eine größere Rolle spielt als das öffentliche Mandat.
  3. Die Verbesserung der Interoperabilität ist auch ein wesentlicher Faktor für die BIM-Einführung. Als Haupttreiber fungiert die Nachfrage von Unternehmen, die die BIM-Daten gemeinsam nutzen, und die Implementierung hängt natürlich von den Softwareanbietern ab.

Wie sehen Sie die Entwicklung der Standardisierung von BIM? Wird sie weiterhin durch nationale Programme vorangetrieben werden oder sehen Sie die Entstehung eines internationalen Kooperationsgremiums?

Die Standardisierung ist ein absolut entscheidender Bestandteil des integrierten BIM und des Datenaustauschs, doch es gibt zwei Hauptebenen der Standardisierung. Die Klassifizierungssysteme sind lokal und so tief in der AEC-Branche verwurzelt, dass ich nicht glaube, dass wir sie in eine globale Standardisierung umwandeln können. Dies steht jedoch nicht im Widerspruch zu der Notwendigkeit einer globalen Entwicklung der Dateninteroperabilität, da die Datenstrukturen einen Platzhalter für die lokalen Klassifizierungssysteme haben können – wie dies bei der IFC der Fall ist.

Die Dateninteroperabilität muss aufgrund der Natur der Softwareindustrie eine internationale Bestrebung sein. Die meisten Softwareanbieter bekennen sich zu Open BIM-Standards, weil dies in ihrem Geschäftsinteresse liegt und von ihren Kunden gefordert wird. Ich sehe keinen Grund, warum dieser Standard auch in Zukunft nicht von buildingSMART International (bSI) entwickelt und gepflegt werden könnte. Die Organisation (bSI) durchläuft derzeit erhebliche Veränderungen, die meiner Meinung nach ihre Rolle und ihren Beitrag erheblich stärken werden. Hauptgrund dafür sind die wachsenden Ressourcen, was meiner Meinung nach derzeit die zweitwichtigste Entwicklung in diesem Bereich nach den staatlichen BIM-Mandaten ist.

Wird die Entwicklung von BIM-Software die Ausweitung von BIM auf Bauwesen und Verwaltung für den gesamten Projektlebenszyklus widerspiegeln?

Im Augenblick wird BIM hauptsächlich in Entwurfs- und Bauprozessen eingesetzt und ihre Vorteile bei diesen Aktivitäten sind relativ gut bekannt, obwohl es auch in diesen Bereichen noch viel zu verbessern gibt. Es gibt jedoch immer noch sehr wenige Beispiele für den Einsatz von BIM im Gebäudemanagement und Anlagenbetrieb, obwohl Ansprüche an ihren Lebenszykluswert immer wieder gestellt werden. In der Tat sind die meisten Eigentümer, vor allem im privaten Sektor, überhaupt nicht an BIM interessiert, da sie keinen Wert darin sehen, BIM für ihre Aktivitäten einzusetzen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass BIM in der Gebäudemanagement- und Betriebsphase keinen Wert haben würde. Das Problem ist eher auf den Mangel an konkreten Nachweisen für ihren Nutzen, die unzureichende Erforschung des Bereichs und die falsche Kommunikationsart zurückzuführen. Die meisten BIM-Experten verfügen entweder über Entwurfs- oder über Bauerfahrung und können daher die Gebäudemanagement- und Betriebsvorteile von BIM weder kommunizieren noch verstehen. Wir müssen die täglichen Aktivitäten und Probleme der Eigentümer und Betreiber im Detail analysieren, bevor wir den spezifischen Wert der Technologie in ihren Prozessen verstehen können. Ich bin mir sicher, dass der Lebenszykluswert von BIM sich zum entscheidenden Teil der Technologie entwickeln wird, aber dieser Prozess wird sowohl Zeit als auch Mühe beanspruchen.

Wie sehen Sie die Rolle von BIM angesichts der heutigen ökologischen Herausforderungen?

Die Umweltverträglichkeitsprüfung ist ein komplexes Thema und erfordert enorme Datenmengen. BIM kann den Beurteilungsprozess erheblich unterstützen, wie dies auf einer bestimmten Ebene bereits der Fall ist. Das Problem ist, dass die Modelle ausreichende, korrekte und zuverlässige Daten enthalten müssen. Die größte Herausforderung besteht darin, solche Daten zu erstellen und für Endbenutzer leicht verfügbar zu machen. Die Produkthersteller sollten eine wesentliche Rolle bei der Bereitstellung solcher Daten spielen. Leider konzentrieren sich die vorhandenen Produktbibliotheken häufig eher auf die Visualisierung als auf den nützlichen Dateninhalt für die verschiedenen Phasen des Gebäudelebenszyklus. Es gibt jedoch einige Ausnahmen, wie z.B. die MagiCAD-Produktbibliotheken, mit denen die Produkte als Komponenten der technischen Systeme funktionieren. In Bezug auf die gesamte Branche sollten die Datenstrukturen und -inhalte auch von unparteiischen Dritten überprüft werden, damit die Daten verschiedener Projekte vergleichbar sein können.

Neben intelligenten Gebäuden führen viele Visionen des Bauwesens von morgen das Konzept der intelligenten Städte ein. Wie sehen Sie die Rolle von BIM in der urbanen Landschaft von morgen?

Derzeit wird viel über Digital Twins als Lösung für die Verbindung von virtueller und physischer Realität diskutiert. Ich glaube, dass diese Verbindung für Smart Cities von entscheidender Bedeutung sein wird. Wir müssen uns jedoch daran erinnern, dass ein Modell die Abstraktion einer Realität zu einem bestimmten Zweck darstellt. Das bedeutet, dass wir immer den Zweck vordefinieren müssen, bevor wir das Modell beschreiben und erstellen können, und dass es immer mehrere Modelle für die unterschiedlichen Zwecke geben wird. Diese können – und müssen – miteinander verknüpft sein, damit wir sie auf dem neuesten Stand halten und ihre Daten effizient nutzen können. Wir können jedoch nicht ein Modell erstellen, das alles abdeckt und für praktische Zwecke verwendet werden kann.

 


Digital Twin ist ein Konzept, bei dem Sensoren im realen Gebäude zur Verbindung mit der Cloud eingesetzt werden und im Idealfall alles mit der BIM verknüpft ist. Bauwerksdatenmodellierungen versorgen die Gebäudemanagementumgebung sowie Quellen wie Energieverbrauchsdaten, Serviceanforderungen und vorbeugende Wartung.

Das Zukunftspotenzial liegt darin, BIM auch städteweit und nicht nur auf individueller Gebäudeebene mit dem Gebäudemanagement zu verknüpfen.

Digital Twin ist die Benutzeroberfläche: Die Informationen stammen aus vielen Quellen

Quelle: Tero Järvinen, Technologischer Direktor bei Granlund


 

Dr. Arto Kiviniemi, Honorary Research Senior Fellow, ist einer der international führenden Experten für integriertes BIM. In den Jahren 1997-2002 leitete Arto das nationale finnische Forschungs- und Entwicklungsprogramm, das die Grundlage für Finnlands Position als eines der führenden Länder bei der Einführung von BIM schuf. Anschließend initiierte er das erste MSc-BIM-Programm in Großbritannien an der Universität Salford und arbeitete später an der Universität Liverpool.

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