10.10.2019 | By Petri Luomala
Image: (c) Basler & Hofmann AG

Kunde: Basler & Hofmann AG
Projekt: Dreigeschossiger Erweiterungsbau für ein Bürohaus
Ort: Esslingen, Kanton Zürich, Schweiz
Fertigstellung: 2019
Gesamtprojektleitung: Basler & Hofmann AG
Architektur: Stücheli Architekten AG
Baumeister: Marti AG
BIM-Koordination: Basler & Hofmann AG
Fachplaner: Basler & Hofmann AG
Datenerhebung für die Modellierung des Gebäudebestands: Basler & Hofmann AG
Fassadenplanung: Feroplan Engineering AG
MagiCAD-Software: MagiCAD Ventilation and Piping for Revit, MagiCAD Cloud

Als sich das Schweizer Ingenieur-, Planungs- und Beratungsunternehmen Basler & Hofmann für den Ausbau des eigenen Bürohauses in Esslingen bei Zürich entschied, erkannte das Unternehmen die die Möglichkeit, einen systematisch digitalisierten Planungs- und Bauprozess zu testen und damit die integrale Planung auf ein ganz neues Level zu bringen. Das Pilotprojekt wurde ganz ohne gedruckte Pläne durchgeführt. Das BIM-Modell war die einzige Informationsquelle von der Planung über den Bau bis hin zum Betrieb.

Ein komplett digitaler Zwilling für den gesamten Lebenszyklus

Auf den ersten Blick ist es ein recht gewöhnliches Bauwerk: ein dreigeschossiger Anbau für einen 1996 errichteten Bürokomplex. Dennoch stellte die Planung und Umsetzung höhere Anforderungen an die beteiligten Personen als die meisten Großprojekte.

„Wir haben drei Bürogebäude in Esslingen und nutzen sie seit jeher als Forschungs- und Entwicklungslabor für neue Technologien und Ansätze. Jedes Mal, wenn wir etwas für uns selbst bauen, versuchen wir etwas Neues und Anderes, um uns weiterzuentwickeln. Das Gebäude kann dann auch als Vorzeigeprojekt für neue Projekte dienen“, sagt Gianluca Genova, BIM-Integrator bei Basler & Hofmann.

Diesmal hat sich das Unternehmen zum Ziel gesetzt, dass alle Beteiligten und alle Disziplinen das Bauvorhaben gleichzeitig in einem einzigen BIM-Modell planen – mit der zusätzlichen Herausforderung, papierlos zu arbeiten und das Modell auch für Bau und Betrieb zu nutzen.

„Am Anfang war es für Mitarbeitende, die es gewohnt waren, in ihren eigenen „Silos“ zu arbeiten, schwierig, im gleichen Modell zu arbeiten, ohne sich gegenseitig in die Quere zu kommen. Wir hatten manchmal zwanzig Ingenieurinnen und Ingenieure, die gleichzeitig mit den Worksets auf der selben Arbeitsoberfläche in Revit arbeiteten, so dass die Aufrechterhaltung der Designdisziplin und Modellierungsgenauigkeit bei gleichzeitiger Überwachung aller Änderungen eine große Herausforderung war“, erklärt Gianluca.

Nutzung neuer Technologien während der Bauphase

Basler & Hofmann hat bei der Konstruktion drei verschiedene Methoden eingesetzt, um die Installation auf der Basis des digitalen Modells zu ermöglichen. Die erste bestand darin, das Modell mit einem Tablett vor Ort zu betrachten und die Installation entsprechend durchzuführen. Insbesondre bei Vorrichtungen und elektrischen Systemen nutzten die Projektbeteiligten einen Laserpointer und Autodesk Point Layout. Damit konnten gezielt Punkte aus dem Modell abgerufen werden. Drittens setzte das Projektteam in einem Pilot die Microsoft Hololens AR-Technologie ein, um Teile der Lüftungsanlage zu installieren.

„Wir haben das Modell so vorbereitet, dass jede Disziplin jeden Schritt des Installationsprozesses mit dem Tablett, dem Laserpointer oder sogar Hololens aufrufen kann. Den Installationsfirmen stand es frei, diese Technologien in der für sie sinnvollsten Weise einzusetzen“, sagt Gianluca.

Sehen Sie sich ein Video des Projekts an:

Bessere Modellierungsprozesse mit MagiCAD

Auch MagiCAD trug zum Erfolg des digitalen Pilotprojekts bei – von Lüftungs- und Rohrleitungsfunktionalitäten bis hin zur Erarbeitung präziser Produktfamilien.

„Als wir mit Revit begannen, war MagiCAD die erste Erweiterung, die wir gekauft haben. Anfangs war der Hauptzweck, die für den Bau benötigten Produktfamilien einfügen zu können. MagiCAD Cloud war eine große Hilfe für uns und wenn etwas fehlte, haben wir es mit MagiCAD Create neu erstellt oder von woanders integriert“, sagt Gianluca.

Gianluca stellte auch fest, dass MagiCAD einen großen Unterschied in der Modellierungsarbeit machte:

„Was die Planungsarbeiten betrifft, so waren die Ventilation und Piping Module eine große Hilfe für uns. Sie gaben uns einen präzisen Überblick über die Lüftungsanlage, unterstützten uns bei der Redimensionierung und in der Herstellung der richtigen Anschlüsse und Verbindungen“, so Gianluca weiter.

Laut Gianluca war auch die Bereitstellung des Werkzeugs für die Durchbrüche sehr nützlich für das Projekt. Das Tool ermöglichte es den Modellierern, noch besser mit den Ingenieuren zusammenzuarbeiten.

„Das Beste daran war, dass die Ingenieure die Bestimmungen überprüfen konnten, wir konnten sie anpassen und der erste Vorschlag der Software war in der Regel zu 95% genau“, erzählt Gianluca.

Vorteile eines vollständig digitalen Ansatzes

Rückblickend ist Gianluca in der Lage, deutliche Vorteile für einen volldigitalen Ansatz aufzuzeigen aber auch auf verschiedene Herausforderungen hinzuweisen, die die breitere Anwendung der Methodik immer noch behindern.

„Man verbringt nicht so viel Zeit mit der Erstellung von Plänen, sondern konzentriert sich auf die Erstellung einer geeigneten Datenstruktur. Sobald man ein strukturiertes Modell hat, ist die Datenextraktion für Produktion und Installation einfacher als bei herkömmlichen Plänen. Auch in der Ausführung kann man Zeit sparen, nicht nur bei Materialbestellungen, sondern auch in der Logistik und im Management. Wenn man das Modell mit einem Zeitplan verknüpft, kann man Dinge schnell neu ordnen und die Qualität einfach im Auge behalten. Wir wollen die gleiche Methode für zukünftige Projekte verwenden, denn wir kennen jetzt den Prozess, die Anforderungen und den Nutzen. Es ist jedoch noch etwas schwierig, einen vollständig digitalen Ansatz für externe Projekte umzusetzen, da für Genehmigungen und Ausschreibungen häufig konventionelle Unterlagen benötigt werden. Werden sich die Kunden einmal der Vorteile bewusst, wird diese Methode jedoch sicher öfter zum Einsatz kommen“, fasst Gianluca zusammen.

Image: (c) Basler & Hofmann AG

Basler & Hofmann

Basler & Hofmann ist ein Schweizer Unternehmen, das zukunftsweisende Lösungen in den Bereichen Bauen, Mobilität, Energie, Sicherheit und Umwelt, Beratung, Planung und Engineering entwickelt. Mehr als 700 Mitarbeiter sind innerhalb der Basler & Hofmann Gruppe für Schweizer und internationale Kunden tätig. Das Unternehmen ist in fünf Ländern vertreten: Schweiz, Deutschland, Italien, Slowakei und Singapur.
www.baslerhofmann.ch

Das Projekt wurde bei den AEC Excellence Awards 2018 als „Small Project“-Sieger in der Kategorie Building Design ausgezeichnet. Für weitere Informationen über das Projekt können Sie den Projektbericht des Unternehmens lesen.

Gianluca Genova ist BIM-Integrator bei Basler & Hofmann. Er beaufsichtigte die Modellierungsarbeiten und steuerte die Einführung von BIM-Methoden im Projekt.