30.10.2019 | By Petri Luomala

Unternehmen: Ramboll
Projekt: Helsinkis Zentralbibliothek Oodi
Standort: Helsinki, Finnland
Termin: 2018
Kunde: Stadt Helsinki
Architekt: ALA Arkkitehdit Oy
MagiCAD-Software: MagiCAD Piping, MagiCAD Ventilation und MagiCAD Sprinkler Designer für AutoCAD

Die neue aus Glas und Stahl konstruierte und mit Holz verkleidete Zentralbibliothek Oodi ist das neue Wahrzeichen der Stadt Helsinki, das sich im Handumdrehen zu einem beliebten Treffpunkt und Veranstaltungsort entwickelt hat. Die hochmoderne, energieeffiziente Bibliothek ist ein architektonisches und bautechnisches Vorzeigeprojekt.

Ramboll war für die Bauplanung, das Projektmanagement, die gebäudetechnische Planung und die Koordinierung der Baunutzungsdokumentation zuständig. Hannu Martikainen ist der führende Experte auf dem Gebiet der Versorgungstechnik bei Ramboll und war Projektleiter für die gebäudetechnische Planung des Projekts Oodi.

Architektur als Herausforderung für die Gebäudetechnik-Planer

Die einzigartige Architektur von Oodi forderte den Planern der verschiedenen Fachgebiete einiges ab. Bereits die Lage des Gebäudes im Stadtkern Helsinkis und der entsprechende Stadtplan stellten eine gewisse Schwierigkeit dar.

„Das Dach von Oodi war als Teil der Fassade gedacht und die Versorgungstechnik sollte darauf nicht sichtbar sein. Daher mussten wir die technischen Räume und die Gebäudetechnik im Keller und in durch die Architektur innerhalb des Gebäudes geschaffenen Hohlräumen verstecken“, berichtet Hannu.

Das Tragwerk des Gebäudes besteht aus zwei über 100 m langen Stahlbögen. Diese Stahlbrückenkonstruktion führt zu einer außergewöhnlich großen Bewegung, im extremsten Fall um ganze 140 mm, was auch bei der Planung der Versorgungstechnik berücksichtigt werden musste.

„Je nach Jahreszeit, Temperatur und Belastung des Gebäudes ist die Stahlbrückenkonstruktion starken Bewegungen ausgesetzt. Dies wirkte sich auch auf die Planung der Gebäudetechnik aus, die in ungewohnten Bahnen umgesetzt werden musste“, so Hannu.

„Wir haben in allen Kanälen und Leitungen flexible Verbindungsstücke verwendet und mussten auch die Abflüsse mit zweifachem Gefälle planen. So konnten wir berücksichtigen, dass das Mindestgefälle im Falle von Gebäudebewegungen in allen Lagen und Fällen erhalten blieb“, fährt Hannu fort.

Das dritte Geschoss sollte frei von sichtbarer Versorgungstechnik sein, damit das offene Raumkonzept und das wellenförmige Dach vollständig zur Geltung kommen.

„Die Raumhöhe des zweiten Geschosses wurde erhöht, damit die Lüftungs- und Klimaanlage samt Leitungen im Hohlraum zwischen den Stockwerken, im Boden des dritten Stockwerkes und in der Decke des zweiten Stockwerkes untergebracht werden konnte“, berichtet Hannu.

Das dritte Stockwerk des Gebäudes ist auf allen Seiten von großen Fensterflächen umgeben. Zur Verringerung der sonnenbedingten Wärmelast entwickelten die Planer und Architekten gemeinsam ausgeklügelte Lösungen.

„Bei der Planung der Fassade haben wir eng mit dem Architekten zusammengearbeitet. Die Anzahl und Positionierung der in den Fenstern sichtbaren attraktiven weißen Punkte wurden mit Energiesimulatoren und den Architekten so ausgelegt, dass die Fassadenlösung auch als Sonnenschutz fungiert“, berichtet Hannu.

Zusammenarbeit dank Datenmodellierung

Der Einsatz von Datenmodellierung war essentiell wichtig für das Projekt Oodi. Sie ermöglichte auch eine enge Zusammenarbeit zwischen den Planern der verschiedenen Fachgebiete.

„Bei der architektonischen, bautechnischen, versorgungstechnischen und elektrischen Planung wurde auf Datenmodellierung zurückgegriffen. Wir verwendeten von Anfang an ein Kombinationsmodell, das wir während der gesamten Projektdauer pflegten. In der Praxis schickte jeder Planer einmal pro Woche sein Datenmodell an die Projektbank, von der aus der Datenmodellkoordinator ein gemeinsames IFC-Datenmodell zur Überprüfung erstellte. Dies war die einzige Möglichkeit zur Prüfung und Koordinierung der anspruchsvollen und komplexen Sachverhalte”, erläutert Hannu.

Aufgrund der Architektur von Oodi waren die für die versorgungstechnischen Anlagen verfügbaren Räume selten regelmäßig. Dank der Modellierung gelang es jedoch, die Anlagen in sehr außergewöhnlich geformten Räumen unterzubringen.

„Bei Oodi waren alle Räume und Flächen gekrümmt und unregelmäßig. Die Wand der Hauptfassade des Gebäudes steht beispielsweise in einem nahezu 45-Grad-Winkel und alle Kanäle verlaufen dahinter innerhalb der Wandkonstruktion im selben Winkel. Ohne die Modellierung hätten wir hunderte von Querschnitten zeichnen müsssen, um das System auch nur ansatzweise zu verstehen“, erklärt Hannu.

Vertrauen der Planer in MagiCAD

Ramboll setzte bei der HLK-Planung des Projekts Oodi auf die Software MagiCAD. Insbesondere die Berechnungsfunktionen von MagiCAD erwiesen sich als vorteilhaft und halfen bei der Umsetzung der Funktionsfähigkeit der geplanten Anlagen.

„Wir nutzten die Durchflussmesstechnik, die Druckverlustberechnung für Rohrleitungen, die Durchflussmesstechnik für Lüftungsschächte und die Eigenschaften im Bereich Lärmschutz von MagiCAD. Natürlich verwendeten wir auch die Basiseigenschaften von MagiCAD, mit denen die Verbindungen geprüft und ausgeglichen werden können. Die Funktionen von MagiCAD geben den Planern das beruhigende Gefühl, dass das System richtig funktioniert“, bestätigt Hannu.

Das Erfolgsrezept des Projekts Oodi

Anspruchsvolle Bauprojekte stecken voller Überraschungen. Sie bieten aber auch die Möglichkeit, zu lernen und das eigene Können weiterzuentwickeln. Der wichtigste Lernpunkt des Projekts Oodi ist für Hannu Martikainen, dass die Bedeutung der Zusammenarbeit hervorgehoben wird.

„Bei einem solch komplexen und anspruchsvollen Projekt ist es immens wichtig, dass ein guter Teamgeist herrscht und dass das Planungsteam Dinge offen besprechen und Ideen freien Lauf lassen kann“, betont Hannu.

Ein zweiter zentraler Erfolgsfaktor für das Projekt war der für die Planungsarbeit gewährte zeitliche Rahmen. An der Planungszeit wird oft gespart, um so angeblich die Projektkosten gering zu halten. In Eile entworfene Projekte können jedoch Probleme beinhalten, die sich dann in verschiedenen Teilbereichen bemerkbar machen.

„Die für die Planung benötigte Zeit wird nicht immer wertgeschätzt. Wenn in den Planungsprozess investiert und ihm die entsprechend benötigte Zeit gewährt wird, wie das beim Projekt Oodi der Fall war, dann können auch relativ anspruchsvolle Lösungen und Gebäude verwirklicht werden“, so Hannu.

Aufgrund der komplexen und außergewöhnlichen Planungslösungen der Architektur von Oodi und seines bedeutenden Charakters als Helsinkis neues Wahrzeichen war das Projekt gleichwohl anspruchsvoll und bereichernd.

„Ich durfte hier meine gesamte 30-jährige Erfahrung und Kompetenz einbringen. Dieses Projekt kann wahrlich als einmaliger Karrierehöhepunkt bezeichnet werden“, sagt Hannu zusammenfassend.

Ramboll ist ein führendes internationels Ingenieur- und Managementberatungsunternehmen. Ramboll spezialisiert sich auf die Bereiche Infrastruktur, Umwelt und Gesundheit, Immobilien und Bau, Wasser, Projektleitung sowie Stadtplanung. Das Unternehmen beschäftigt ca. 15.000 Mitarbeiter in 35 Ländern.

 

Sehen Sie sich ein Video des Projekts an: