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Warum EPD für die TGA-BIM-Planung wichtig werden

31.03.2023

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Environmental Product Declarations (EPD) sind für die Planung von TGA bislang unbeschrittenes Terrain. Das liegt daran, dass in der Praxis bei Ökobilanzierungen und Lebenszyklusanalysen die Umweltauswirkungen gebäudetechnischer Anlagen einfach überschlagen werden. Wir erläutern, warum sich das ändern wird und wie die Umweltproduktdaten für TGA-Bauteile zukünftig möglichst barrierefrei für die Projektierung bereitgestellt werden.

Die Gebäudebranche hat laut Bericht des Umweltbundesamtes die Treibhausgasminderungsziele für 2022 um 4,6 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalenten verfehlt. Trotz Green Deal, Klimaschutzgesetz und Förderanreizen für klimafreundliche Neubau- sowie Sanierungsprojekte. Dabei sieht die EU einen klimaneutralen Gebäudebestand bis 2050 vor; Deutschland möchte diesen bis 2045 erreichen. Auch vor dem Hintergrund der unerwarteten Energiekrise beschließen Politik und Wirtschaft mit angezogenem Tempo Maßnahmen zur Minderung der Emissionen. Wir müssen in allen Lebensbereichen nachhaltiger werden. Schon 2020 wurde dazu der EU-Aktionsplan „Circular Economy“ verabschiedet. Er zielt auf eine effizientere Ressourcennutzung sowie kreislauforientierte Wirtschaft ab und kündigt Initiativen entlang des gesamten Lebenszyklus von Produkten an. Das wirkt sich ebenfalls stark auf den Bausektor aus.

Zirkuläres Bauen: Ressourcen und Baumaterialien endlos wiederverwerten

Das zirkuläre Bauen leitet sich vom oben genannten EU-Aktionsplan ab und geht über das bisherige Credo der durchgängigen BIM-Planung – „Von der Wiege bis zur Bahre“ – hinaus. Jetzt heißt es „Von der Wiege bis zur Wiege“: Rohstoffe für Gebäude sollen so eingeplant und genutzt werden, dass sie im Idealfall endlos wiederverwendet werden können. Oder sich vollständig biologisch abbauen. Treiber für diesen Wandel ist vorrangig die EU-Taxonomie. Als Instrument des Green Deals lenkt sie Investitionen gezielt in ökologisch nachhaltige Wirtschaftstätigkeiten – wie das Bauen oder Sanieren von Immobilien. Daher gibt sie zur nachhaltigen Einstufung von Gebäuden Bewertungskriterien vor. Beispielsweise Quoten für eingesetzte Baumaterialien: Mindestens 15 Prozent müssen recycelt sein, 15 Prozent wiederverwendet und 20 Prozent müssen entweder nachwachsend, wiederverwendet oder recycelt sein. Weitere Vorgaben betreffen unter anderem den Netto-Primärenergiebedarf. Das zieht nach sich, dass die Materialien für Baustoffe und -produkte für diese Nachhaltigkeitsbewertungen transparenter werden müssen.

MagiCAD Beitrag EPD für TGA

EU-Taxonomie macht Lebenszyklusanalysen notwendig

Als Investoren müssen Banken in diesem Rahmen seit 2022 verpflichtend berichten, ob und inwieweit sie umweltfreundliche Projekte finanzieren. Der Wert eines Gebäudes wird immer stärker an seinen Umweltauswirkungen über den gesamten Lebenszyklus bemessen – von der Herstellung über den Transport, Bau und Betrieb bis zum Abbruch und Recycling. Deshalb verlangen Investoren bereits früh die ökologische Betrachtung oder Zertifizierung des Gebäudes. Auch Förderprogramme des Bundes verlangen meist eine Nachhaltigkeitsbewertung.

Bedeutung der TGA-Planung für die Ökobilanzierung

Die technische Gebäudeausrüstung wird bisher von der gängigen Ökobilanzierung für Gebäude vernachlässigt. Der Fokus liegt bei der Berechnung von Umweltauswirkungen auf der Errichtung des Gebäudes, so dass die Gebäudehülle und die dafür benötigten Baustoffe berücksichtigt werden. Der CO2-Fußabdruck von den sehr kleinteiligen TGA-Systemen wird für die Lebenszyklusanalyse des Bauwerks einfach überschlagen. Das ändert sich durch die EU-Taxonomie. Denn eine überschlägige TGA-Ökobetrachtung wird von anerkannten „Green Building Label“-Zertifizierungsstellen wie DGNB, BREEAM oder LEED mit hohen Strafwerten beurteilt. Dies kann sich negativ auf die Ökobilanz und damit z. B. auf eine Fördermittel- oder Kreditbewilligung auswirken. Negative LCA aufgrund überschlägiger TGA-Ökobilanzierungen werden entsprechend unattraktiv. Eine genaue Nachhaltigkeitsbewertung ist nur mit Einbezug der TGA-Bauteile möglich. Mittlerweile weiß man, dass die TGA-Bauteile einen nicht unerheblichen Anteil am gesamten CO2-Ausstoß  über einen Gebäudelebenszyklus hinweg ausmachen. Mit steigendem Technisierungsgrad erhöht sich dieser Anteil. Die DGNB hat für ihr Zertifizierungssystem bereits 2021 den Zuschlag der Anlagentechnik von 10 auf 20 Prozent angehoben. Bauträger profitieren also bereits jetzt von einer möglichst genauen Lebenszyklusanalyse.

Verfügbarkeit von Umweltproduktdaten für TGA-Produkte ausbaufähig

Doch für eine präzise Nachhaltigkeitsbetrachtung fehlt es an Umweltproduktdaten (EPD) für die TGA. Zwar gibt es Datenbanken, wie die ÖKOBAUDAT oder die des IBU, aber TGA-Umweltdaten sind auch hier kaum vorhanden. Hersteller dürfen zudem die EPD nicht selbst ausstellen. Sie müssen diese erst von unabhängigen Stellen verifizieren lassen, was Zeit in Anspruch nimmt. Denn EPD bestehen aus wesentlich mehr Informationen als dem CO2-Ausstoß. Jedes Bauteil hat mehrseitige EPD, die Informationen zu allen verwendeten Rohstoffen, Gewicht, in welchem Werk es wie gefertigt wird etc. enthalten. Alle diese Informationen wirken sich auf die Nachhaltigkeitsbewertung aus.

MagiCAD CO2 GebäudelebenszyklusDie MagiCAD Group entwickelt Cloud weiter für TGA-BIM-Planung mit EPD

Planende stehen wiederum vor dem Problem, die wenigen vorhandenen EPD sehr zeitaufwändig in die eigene Planungssoftware zu importieren und mit den TGA-Elementen im digitalen Projektmodell zu referenzieren. Es gibt bisher keinen TGA-Softwarehersteller, der die Umweltdaten „direkt am“ Produkt bereitstellt, damit sie möglichst barrierefrei in der digitalen TGA-Planung genutzt werden. Als Entwickler der BIM-Objektdatenbank MagiCAD Cloud und der TGA-Planungssoftware MagiCAD für Revit möchte MagiCAD seinen Anwender:innen sowie anderen TGA-Planenden den einfachen Zugriff und die Arbeit mit diesen Daten ermöglichen. Wir entwickeln unsere BIM-Objektdatenbank MagiCAD Cloud schon seit einem Jahr dahingehend weiter. Ziel ist es, den TGA-Planenden ein Werkzeug mit standardisierten Daten zur Verfügung zu stellen, mit dem sie eine genaue Lebenszyklusanalyse fahren können. Möglich ist das nur mit BIM. Deshalb sollen die TGA-BIM-Objekte der MagiCAD Cloud neben den geometrischen Abmessungen und technischen Eigenschaften auch Umweltproduktdaten enthalten. Dann können diese direkt als BIM-Daten ins Projekt übernommen und für die Ökobilanzierung genutzt oder mit dem IFC-Modell weitergegeben werden. Das braucht allerdings noch ein wenig Zeit.

Vorteil für TGA-Hersteller

Im ersten Schritt sammeln wir die EPD von Herstellern und unterstützen diese bei der Bereitstellung der Daten in unserer Cloud. Kampmann ist ein TGA-Hersteller, der in der Branche vorausgeht und bereits EPD für die BIM-Objekte seiner Unterflurkonvektoren in der MagiCAD Cloud hinterlegt hat.

MagiCAD Kampmann BIM-Objekt EPD
TGA-Hersteller Kampmann hat EPD in der MagiCAD Cloud hinterlegt und sieht die Erstellung der Informationen als Chance zur Produktoptimierung.

Imke Klompmaker, Trainee Compliance & Nachhaltigkeit, KAMPMANN GmbH & Co. KG, erklärt:

Anhand von Environmental Product Declarations erleichtern wir unseren Kunden die Zertifizierung von Gebäuden mit Nachhaltigkeitssiegeln, indem TGA-Planer einfach die EPD des jeweiligen Produkts an den Auditor der Gebäudezertifizierung weiterreichen können. Zusätzlich können wir anhand von EPD Ansätze zu einer nachhaltigen Optimierung unserer Produkte identifizieren. Aus diesem Grund werden wir zukünftig weitere Produkte unseres Portfolios mit EPDs ausstatten.“

Ausblick

Im nächsten Schritt planen wir, die BIM-fähigen Daten für den GWP-Wert zu implementieren. Wenn wir diese in die MagiCAD Cloud integrieren, nehmen wir direkt so viele Daten wie möglich auf. Damit werden zukünftig umfassende LCA-Berechnungen von TGA-Systemen und weitere Energieberechnungen mit BIM-Modellen möglich sein.

Denn aufgrund unserer nordischen Wurzeln wissen wir von MagiCAD aus erster Hand, wie in diesen Ländern die Lebenszyklusanalyse zur Umsetzung gesetzlicher Nachhaltigkeitsanforderungen in Bauprojekten angewendet wird. Ähnliches ist in Deutschland zu erwarten. So hat zum Beispiel der VDI im März 2023 eine Broschüre veröffentlicht, in der er die Aufnahme von Lebenszyklusanalysen, dem Gebäuderessourcenpass und die Verwendung von Nachhaltigkeitszertifikaten in die Auftraggeber-Informationsanforderungen fordert. Dann wird die Branche nicht mehr umhinkommen, die benötigten Umweltproduktdaten auch für die TGA bereitzustellen und in die Nachhaltigkeitsberechnungen mit einzubeziehen.