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Warum EPD-Daten für die TGA-Planung immer wichtiger werden

29.04.2025

MagiCAD Group

MagiCAD Cloud für Hersteller

Warum EPD-Daten für die TGA-Planung immer wichtiger werden

Environmental Product Declarations (EPD) sind im Bereich der TGA-Planung noch weitgehend unbekanntes Terrain. Bisher werden in der Praxis die Umweltwirkungen technischer Gebäudeausrüstung in Lebenszyklusanalysen meist nur grob geschätzt. Wir erklären, warum sich dies ändern wird und wie Umweltdaten für TGA-Komponenten zukünftig barrierefrei verfügbar gemacht werden sollen.

Laut Statistics Sweden gingen die Treibhausgasemissionen der schwedischen Wirtschaft im Jahr 2022 im Vergleich zu 2021 um drei Prozent zurück. In Finnland sanken die Emissionen laut Statistics Finland im selben Zeitraum um vier Prozent. Die nordischen Länder gehören zu den Vorreitern beim Emissionsabbau, setzen sich jedoch noch ambitioniertere Ziele. Mit dem Green Deal, dem Klimaschutzgesetz und Anreizen für klimafreundliches Bauen und Sanieren strebt die EU bis 2050 einen klimaneutralen Gebäudebestand an. Alle nordischen Länder haben ehrgeizigere Ziele als die EU definiert: In Finnland wird ab 2025 durch ein neues Baugesetz ein Grenzwert für die Emissionen im Neubau eingeführt. Ähnliche Regelungen gelten bereits in Schweden und sind in Norwegen und Dänemark in Vorbereitung.

Auch durch die Energiekrise beschleunigen sich politische und wirtschaftliche Maßnahmen zur Emissionsreduktion. Mit dem EU-Aktionsplan „Circular Economy“ aus dem Jahr 2020 soll die Ressourcennutzung effizienter und eine Kreislaufwirtschaft gefördert werden – mit erheblichen Auswirkungen auf die Baubranche.

Kreislaufbauweise: Baustoffe endlos wiederverwenden

Die Kreislaufbauweise geht über das bisherige Konzept der durchgängigen BIM-Planung („von der Wiege bis zur Bahre“) hinaus – hin zu „von der Wiege zur Wiege“. Rohstoffe sollen so geplant und verwendet werden, dass sie unendlich wiederverwendet oder vollständig biologisch abgebaut werden können. Treiber dieser Entwicklung ist die EU-Taxonomie, die Investitionen gezielt in ökologisch nachhaltige Wirtschaftstätigkeiten lenkt.

Kriterien wie Materialquoten (mindestens 15 % recycelt, 15 % wiederverwendet und 20 % erneuerbar, wiederverwendet oder recycelt) und Anforderungen an den Primärenergiebedarf machen eine hohe Transparenz der eingesetzten Materialien notwendig.

EU-Taxonomie macht Lebenszyklusanalysen essentiell

Seit 2022 sind Banken verpflichtet, im Rahmen der EU-Taxonomie zu berichten, inwieweit sie umweltfreundliche Projekte finanzieren. Der Wert eines Gebäudes wird zunehmend über dessen Umweltauswirkungen im gesamten Lebenszyklus – von Herstellung über Betrieb bis Recycling – bestimmt. Investoren verlangen daher frühzeitig eine ökologische Bewertung oder Zertifizierung. Auch Förderprogramme setzen zunehmend eine Nachhaltigkeitsbewertung voraus.

Bedeutung der TGA-Planung für die Lebenszyklusanalyse

Bisher wurde die technische Gebäudeausrüstung in den gängigen Lebenszyklusanalysen vernachlässigt. Hauptaugenmerk lag auf dem Gebäudehüllbau. Die CO₂-Bilanz kleiner TGA-Systeme wurde grob geschätzt – mit der Folge hoher pauschaler Strafwerte bei anerkannten „Green Building“-Zertifizierungen. Dies kann Förderungen oder Kreditvergaben negativ beeinflussen.

Da TGA-Komponenten einen erheblichen Teil der CO₂-Emissionen über den Lebenszyklus eines Gebäudes ausmachen – insbesondere bei steigender Technisierung – wird eine präzisere Bewertung zwingend. So hat die DGNB die Systemtechnik-Anteile in ihrer Zertifizierung bereits 2021 von 10 auf 20 Prozent erhöht.

Das Problem: Für eine präzise Nachhaltigkeitsbewertung fehlen oft detaillierte Umweltproduktdaten der TGA. Bestehende Datenbanken wie ÖKOBAUDAT oder IBU enthalten nur vereinzelt TGA-Daten. Zudem dürfen Hersteller EPDs nicht selbst erstellen, sondern müssen sie extern verifizieren lassen – ein aufwändiger Prozess.

Eine EPD enthält weit mehr als nur CO₂-Daten, etwa Rohstoffzusammensetzung, Gewicht, Fertigungsstandort und -verfahren – alles relevante Faktoren für die Nachhaltigkeitsbewertung.

MagiCAD entwickelt MagiCAD Cloud für TGA-Planung mit EPD weiter

TGA-Planer stehen derzeit vor der Herausforderung, die wenigen verfügbaren EPDs mühsam in ihre Planungssoftware zu integrieren und mit den TGA-Elementen zu verknüpfen. Bislang gibt es keinen TGA-Softwarehersteller, der Umweltinformationen direkt am Produkt verfügbar macht.

Als Entwickler der BIM-Objektdatenbank MagiCAD Cloud und der TGA-Planungssoftware MagiCAD für Revit arbeitet MagiCAD daran, TGA-Planern den einfachen Zugang zu Umweltdaten zu ermöglichen. Seit über einem Jahr wird die MagiCAD Cloud entsprechend weiterentwickelt.

Ziel ist es, standardisierte Umweltdaten zusammen mit den geometrischen und technischen Eigenschaften in die TGA-BIM-Objekte zu integrieren, sodass diese direkt ins Projekt übernommen oder via IFC-Modell weitergegeben werden können. Das ermöglicht präzise Lebenszyklusanalysen und nachhaltige Planungsentscheidungen.

Erste Schritte: Sammlung und Integration von EPDs

Im ersten Schritt sammelt MagiCAD EPDs von Herstellern und unterstützt sie bei der Bereitstellung in der Cloud.

Ein Vorreiter ist der TGA-Hersteller Kampmann, der bereits EPDs für die BIM-Objekte seiner Unterflurkonvektoren in der MagiCAD Cloud zur Verfügung gestellt hat.

MagiCAD Kampmann BIM-Objekt EPD
Der TGA-Hersteller Kampmann hat EPDs in der MagiCAD Cloud bereitgestellt und sieht die Erstellung dieser Informationen als Chance zur Produktoptimierung

Imke Klompmaker, Compliance & Sustainability Trainee bei KAMPMANN GmbH & Co. KG, erklärt:

„Mit Hilfe von Environmental Product Declarations erleichtern wir es unseren Kunden, Gebäude mit Nachhaltigkeitssiegeln zertifizieren zu lassen, indem die TGA-Planer die EPD des jeweiligen Produkts einfach an den Zertifizierungsauditor weitergeben können. Gleichzeitig erkennen wir durch EPDs Ansätze zur nachhaltigen Optimierung unserer Produkte. Daher werden wir künftig weitere Produkte unseres Portfolios mit EPDs ausstatten.“

Nächste Schritte: Integration von GWP-Daten

Im nächsten Schritt wird die MagiCAD Cloud BIM-fähige Daten zum Global Warming Potential (GWP) integrieren. Durch die umfassende Datenbasis werden künftig vollständige Lebenszyklusanalysen von TGA-Systemen und weiterführende Energie- und Nachhaltigkeitsberechnungen mit BIM-Modellen möglich.


MagiCAD Cloud ist die weltweit führende BIM-Plattform für TGA und umfasst über 1.000.000 datengestützte BIM-Objekte kommerziell verfügbarer TGA-Geräte und -Komponenten von mehr als 300 Herstellern weltweit. Im Bereich MagiCAD Manufacturer Services ist MagiCAD auf die Erstellung hochwertiger BIM-Objekte für TGA-Hersteller spezialisiert.